Mehr Kreditgeschäft – aber nicht für jeden leichter
Die aktuellen Zahlen der KfW zeigen eine deutliche Belebung des Kreditmarkts. Das geschätzte Kreditneugeschäft deutscher Banken mit Unternehmen und Selbstständigen legte im zweiten Quartal 2026 um 3,4 Prozent zu.
Hinter dieser Entwicklung steckt allerdings nicht nur eine steigende Investitionsbereitschaft. Vor allem höhere Energie- und Betriebskosten haben den Finanzierungsbedarf vieler Unternehmen erhöht. Hinzu kommen Finanzierungen, die angesichts erwarteter Zinssteigerungen möglicherweise vorgezogen wurden.
Die KfW rechnet deshalb für die zweite Jahreshälfte mit einer Abschwächung des Kreditwachstums.
Für den Mittelstand bedeutet das: Ein wachsender Kreditmarkt ist zunächst eine gute Nachricht. Entscheidend bleibt aber, zu welchen Bedingungen das eigene Unternehmen tatsächlich Finanzierung erhält.
Quelle: KfW Research, Kreditmarktausblick Oktober 2026, 13.10.2026.
40,5 Prozent berichten von restriktiven Banken
Die Schwierigkeiten werden in einer weiteren KfW-Erhebung besonders deutlich:
40,5 Prozent der mittelständischen Unternehmen, die im zweiten Quartal 2026 Kreditverhandlungen führten, berichteten von restriktivem Verhalten ihrer Banken.
Das war laut KfW der höchste Wert seit Beginn dieser Erhebung im Jahr 2017.
Auch die Deutsche Bundesbank bestätigt die zurückhaltende Kreditvergabe. Im zweiten Quartal verschärften die befragten Banken ihre Kreditrichtlinien für Unternehmen erneut.
Als wesentlichen Grund nannten sie gestiegene Kreditrisiken. Besonders ins Gewicht fielen branchen- und unternehmensspezifische Faktoren sowie die wirtschaftlichen Aussichten.
Gleichzeitig wurden die Kreditbedingungen teilweise anspruchsvoller: höhere Kreditzinsen, größere Margen bei risikoreicheren Finanzierungen und strengere vertragliche Nebenbedingungen.
Die jüngste Verschärfung betraf vor allem größere Unternehmen. Das grundsätzliche Thema ist aber für den gesamten Mittelstand relevant: Wer Finanzierung benötigt, sollte seinen Handlungsspielraum frühzeitig kennen.
Quellen: KfW Research, Oktober 2026; Deutsche Bundesbank, Bank Lending Survey vom 21.07.2026.
Wenn das Geschäft läuft, aber die Liquidität fehlt
Viele Unternehmen kennen die Situation: Aufträge sind vorhanden, Leistungen werden erbracht und Rechnungen gestellt. Trotzdem wird das Geld knapp.
Der Grund liegt häufig im zeitlichen Abstand zwischen Ausgaben und Zahlungseingängen.
Löhne, Material, Energie, Mieten und Lieferanten müssen bezahlt werden, während Kunden ihre Rechnungen erst Wochen später begleichen.
Ein einfaches Beispiel zeigt die Größenordnung:
Ein Unternehmen stellt monatlich B2B-Rechnungen über 100.000 Euro. Seine Kunden zahlen durchschnittlich nach 60 Tagen.
Bei gleichmäßigem Rechnungsvolumen sind damit rechnerisch rund 200.000 Euro im Forderungsumlauf gebunden.
Das Geld ist erwirtschaftet und in Rechnung gestellt – steht dem Unternehmen aber noch nicht als Zahlungseingang zur Verfügung.
Genau hier lohnt es sich, nicht nur über zusätzliche Kredite nachzudenken, sondern auch über die Finanzierung bestehender Forderungen.
Kreditlinie und Factoring: Zwei Wege zu mehr finanzieller Flexibilität
Eine Betriebsmittelkreditlinie ist für viele Unternehmen ein wichtiges Finanzierungsinstrument. Sie schafft Spielraum, um laufende Ausgaben zu decken, kurzfristige Schwankungen auszugleichen oder Vorleistungen zu finanzieren.
Allerdings hängt dieser Spielraum vom vereinbarten Kreditrahmen und dessen aktueller Auslastung ab. Ist die Linie weitgehend ausgeschöpft, bleibt für zusätzliche Aufträge oder unerwartete Ausgaben wenig Reserve.
Factoring setzt an einer anderen Stelle an.
Hier verkauft ein Unternehmen geeignete, bereits entstandene Forderungen an eine Factoringgesellschaft und erhält dafür früher Liquidität. Je nach Vertragsmodell können weitere Leistungen wie Debitorenmanagement oder Ausfallschutz hinzukommen.
Der Unterschied ist wesentlich:
Kreditlinie
Eine Kreditlinie stellt Fremdkapital bereit.
Factoring
Factoring macht Liquidität aus bestehenden Forderungen früher verfügbar.
Beide Instrumente können sich ergänzen. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vom tatsächlichen Finanzierungsbedarf, den Forderungen, den Kosten und den vertraglichen Bedingungen ab.
Weitere Informationen bietet unser Fachbeitrag Factoring oder Betriebsmittelkredit – die Unterschiede im Vergleich.
Was kostet die zusätzliche Liquidität?
Bei der Finanzierung zählt nicht nur, wie viel Geld verfügbar wird. Ebenso wichtig ist, wann es zur Verfügung steht und welche Gesamtkosten entstehen.
Bei einer Kreditlinie spielen insbesondere der genutzte Betrag, der Sollzins, die Nutzungsdauer und mögliche zusätzliche Entgelte eine Rolle.
Beim Factoring können die Kosten unter anderem von der Forderungs- und Debitorenstruktur, der Finanzierungslaufzeit und dem vereinbarten Leistungsumfang abhängen.
Deshalb führt ein einfacher Vergleich von Kreditzins und Factoringgebühr häufig zu kurz.
Ein günstiger Zinssatz ist nicht automatisch die wirtschaftlich beste Lösung, wenn dafür Kreditspielräume gebunden bleiben. Umgekehrt ist Factoring nicht allein deshalb vorteilhaft, weil Liquidität schneller verfügbar wird.
Entscheidend ist die Gesamtbetrachtung.
Wie sich unterschiedliche Factoring-Abrechnungsmodelle auswirken können, zeigen wir auf unserer Seite Was kostet Factoring?.
Jetzt mit eigenen Zahlen vergleichen
Allgemeine Marktdaten zeigen die Entwicklung. Für die Finanzierung eines Unternehmens zählen jedoch die eigenen Zahlen.
Wie hoch ist der monatliche Rechnungsumsatz? Wie lange warten Kunden durchschnittlich auf ihre Zahlung? Wie viel Liquidität könnte früher verfügbar werden? Und wie sehen die Kosten im Vergleich zur vorhandenen Kreditlinie aus?
Genau dafür haben wir den LiquidBoost Factoring-Rechner erweitert.
Mit wenigen Angaben lässt sich zunächst das rechnerisch gebundene Kapital ermitteln. Anschließend können Unternehmen verschiedene Factoring-Szenarien durchspielen und optional ihre eigene Kreditlinie mit individuellem Sollzins gegenüberstellen.
Fünf Fragen, die Unternehmer jetzt klären sollten
Wer seine Finanzierung für die kommenden Monate überprüfen möchte, sollte vor allem diese Punkte kennen:
- Wie viel Liquidität wird tatsächlich benötigt? Entscheidend sind konkrete Beträge und Zahlungstermine, nicht nur ein pauschaler Finanzierungswunsch.
- Wie viel Kapital steckt in offenen Kundenrechnungen? Forderungsbestand und durchschnittliche Zahlungsdauer zeigen, welcher Spielraum möglicherweise vorhanden ist.
- Wie stark ist die bestehende Kreditlinie ausgelastet? Eine genehmigte Linie schafft nur dann zusätzliche Flexibilität, wenn noch Kreditspielraum verfügbar ist.
- Welche Finanzierung passt zum jeweiligen Bedarf? Investitionen, laufende Betriebskosten und bereits entstandene Forderungen benötigen nicht zwangsläufig dieselbe Lösung.
- Welche Gesamtkosten und Leistungen stehen gegenüber? Neben Zinsen und Gebühren zählen auch Laufzeiten, Sicherheiten, Auszahlungsbedingungen und gegebenenfalls zusätzliche Dienstleistungen.
Wer diese Fragen beantworten kann, geht besser vorbereitet in das nächste Finanzierungsgespräch.
Finanzierungsspielräume rechtzeitig erkennen
Der Mittelstand steht vor einer anspruchsvollen Finanzierungssituation. Der Kreditmarkt wächst, gleichzeitig bleiben die Banken bei ihrer Vergabe vorsichtig.
Für Unternehmen ist das ein guter Anlass, die eigene Liquiditätsplanung zu überprüfen.
Denn finanzielle Flexibilität entsteht nicht ausschließlich durch zusätzliche Kredite. Auch ein besseres Forderungsmanagement, eine vorausschauende Zahlungsplanung und die gezielte Nutzung geeigneter Finanzierungsinstrumente können dazu beitragen.
Wer seine Kapitalbindung kennt und Finanzierungsmöglichkeiten frühzeitig vergleicht, kann fundierter entscheiden – bevor aus einem Liquiditätsengpass ein akutes Problem wird.
Quellen
- KfW Research – Kreditmarktausblick Oktober 2026
Veröffentlicht am 13. Oktober 2026. Kreditneugeschäft, Finanzierungsbedarf, Kredithürden und Ausblick auf das zweite Halbjahr.
- Deutsche Bundesbank – Bank Lending Survey, Juli 2026
Veröffentlicht am 21. Juli 2026. Kreditrichtlinien, Kreditbedingungen, Risikoeinschätzung und Nachfrageentwicklung im Unternehmenskreditgeschäft.
Redaktionelle Einordnung: LiquidBoost · 18. Oktober 2026. LiquidBoost berät und vermittelt Factoringlösungen; der Forderungsankauf und die Vertragsentscheidung erfolgen durch die jeweilige Factoringgesellschaft.