LiquidBoost Einblicke · Liquidität

Banken etwas offener, Kunden zahlen später: Wo der Mittelstand jetzt Liquidität findet

Der Kreditzugang entspannt sich leicht, doch die Zahlungsmoral bleibt schwach. Warum offene Rechnungen für viele Unternehmen gerade zur größten Liquiditätsreserve werden – und wie man sie nutzt.

Die Kredithürde sinkt – aber nur ein Stück

Erstmals seit Längerem gibt es vom Kreditmarkt eine etwas bessere Nachricht. Laut KfW-ifo-Kredithürde berichteten im dritten Quartal 2026 noch 35,9 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Kreditverhandlungen von restriktivem Verhalten ihrer Banken. Im Vorquartal waren es 40,5 Prozent – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung.

Entwarnung gibt die KfW trotzdem nicht. Die Kredithürde liegt weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Für eine dauerhafte Lockerung braucht es nach Einschätzung von KfW-Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher eine anhaltende Phase wirtschaftlichen Aufschwungs.

Gleichzeitig ziehen sich viele Mittelständler aus dem Kreditmarkt zurück. Nur noch 18,8 Prozent führten im dritten Quartal überhaupt Kreditverhandlungen – der niedrigste Stand seit Sommer 2021. Als Hauptgrund nennen die Unternehmen, dass sie sich nicht weiter verschulden wollen.

Quelle: KfW Research, KfW-ifo-Kredithürde Q3 2026, 29.10.2026.

Banken bleiben vorsichtig

Die Deutsche Bundesbank zeichnet ein ähnliches Bild. In ihrer Umfrage zum Kreditgeschäft vom Oktober gaben die befragten Banken an, ihre Kreditrichtlinien für Unternehmen im dritten Quartal erneut gestrafft zu haben – etwas weniger stark als im Vorquartal, aber erneut.

Als Gründe nannten die Banken vor allem gestiegene Kreditrisiken, insbesondere branchen- und unternehmensspezifische Faktoren, sowie die verhaltenen wirtschaftlichen Aussichten. Auch die Kreditbedingungen wurden verschärft, unter anderem über höhere Kreditzinsen und größere Margen bei risikoreicheren Krediten. Die Ablehnungsquote stieg weiter.

Bemerkenswert ist ein Detail zur Nachfrage: Sie ging erstmals seit über zwei Jahren zurück, vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen. Nachfragesteigernd wirkte nur noch ein Faktor – der Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel.

Mit anderen Worten: Investiert wird zurückhaltend. Was Unternehmen weiterhin finanzieren müssen, ist das laufende Geschäft.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bank Lending Survey, Oktober-Ergebnisse, 27.10.2026.

82 Prozent warten auf ihr Geld

82 %

82 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben in den vergangenen zwölf Monaten Zahlungsverzögerungen erlebt. Das zeigt die Zahlungserfahrungsstudie 2026 des Kreditversicherers Coface. Es ist der höchste Wert seit 2019.

Die durchschnittliche Verzögerung lag bei 30,2 Tagen. Gleichzeitig verkürzen viele Unternehmen bereits ihre Zahlungsziele: Im Schnitt gewähren sie nur noch 30,6 Tage, so wenig wie seit 2017 nicht mehr. Das Geld kommt trotzdem nicht schneller.

Besonders aufschlussreich ist der Grund. Am häufigsten nennen die Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten ihrer Kunden. Rund ein Drittel berichtet, dass die eigenen Kunden später zahlen, weil sie selbst auf Zahlungen warten. Verzögerungen setzen sich so durch die Lieferketten fort.

Bei 15 Prozent der Unternehmen machen Forderungen, die sechs bis 24 Monate überfällig sind, inzwischen mindestens 2 Prozent des Jahresumsatzes aus. Kleinere Unternehmen sind davon besonders betroffen.

Quelle: Coface, Zahlungserfahrungsstudie Deutschland 2026, 01.10.2026.

Wenn Zahlungsausfälle zum Risiko werden

Die Insolvenzzahlen unterstreichen, warum Unternehmen ihre Forderungen genauer im Blick behalten sollten. Im Juli 2026 meldeten die Amtsgerichte 2.373 beantragte Unternehmensinsolvenzen, 8,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Von Januar bis Juli waren es 15.185 Fälle, ein Plus von 6,9 Prozent.

Coface rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um rund 5 Prozent.

Jede Insolvenz eines Kunden trifft auch dessen Lieferanten – mit offenen Rechnungen, die im schlechtesten Fall nicht mehr bezahlt werden.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 09.10.2026; Coface, Zahlungserfahrungsstudie Deutschland 2026.

Was 30 Tage Verzug in Euro bedeuten

Ein Beispiel zeigt, wie stark sich wenige Wochen auswirken:

Ein Unternehmen stellt monatlich B2B-Rechnungen über 100.000 Euro mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen. Zahlen die Kunden pünktlich, sind bei gleichmäßigem Umsatz rechnerisch rund 100.000 Euro in offenen Forderungen gebunden.

Zahlen die Kunden im Schnitt 30 Tage zu spät – also etwa so spät wie in der Coface-Studie –, verdoppelt sich dieser Betrag auf rund 200.000 Euro.

Die zusätzlichen 100.000 Euro sind erwirtschaftet und in Rechnung gestellt. Sie fehlen trotzdem auf dem Konto – genau dann, wenn Löhne, Material und Lieferanten bezahlt werden müssen.

Wer diese Lücke über die Kreditlinie schließt, bindet Spielraum, der für Aufträge oder Unvorhergesehenes gedacht war. Und neue Kredite sind, wie die Zahlen der KfW und der Bundesbank zeigen, derzeit nicht für jedes Unternehmen leicht zu bekommen.

Liquidität aus den eigenen Forderungen

Hier setzt Factoring an. Ein Unternehmen verkauft geeignete, bereits entstandene Forderungen an eine Factoringgesellschaft und erhält den Großteil des Rechnungsbetrags in der Regel innerhalb weniger Tage.

Damit hängt die eigene Liquidität weniger davon ab, wann Kunden tatsächlich zahlen. Je nach Vertragsmodell kann zusätzlich ein Ausfallschutz vereinbart werden – bei steigenden Insolvenzzahlen ein Aspekt, der an Gewicht gewinnt.

Factoring ist dabei kein Ersatz für jede Finanzierung. Es eignet sich vor allem für Unternehmen mit regelmäßigen B2B-Rechnungen an gewerbliche Kunden. Ob und zu welchen Kosten es passt, hängt von den Forderungen, den Debitoren und dem vereinbarten Leistungsumfang ab.

Wie sich Factoring und eine Betriebsmittelkreditlinie unterscheiden, lesen Sie in unserem Fachbeitrag Factoring oder Betriebsmittelkredit. Welche Kosten anfallen können, zeigen wir unter Was kostet Factoring?.

Wie viel Kapital steckt in Ihren offenen Rechnungen?

Mit dem LiquidBoost Factoring-Rechner sehen Sie in wenigen Schritten, wie viel Liquidität durch Ihre Zahlungsziele gebunden ist – und können optional Ihre eigene Kreditlinie gegenüberstellen. Kostenlos, anonym und ohne Registrierung.

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Fünf Fragen für die eigene Liquiditätsplanung

  1. Wie lange zahlen Ihre Kunden tatsächlich? Entscheidend ist nicht das vereinbarte Zahlungsziel, sondern der tatsächliche Zahlungseingang.
  2. Wie viel Kapital steckt in offenen Rechnungen? Monatlicher Rechnungsumsatz und tatsächliche Zahlungsdauer zeigen die Größenordnung.
  3. Wie abhängig sind Sie von einzelnen Kunden? Zahlt ein großer Kunde später oder gar nicht, wirkt sich das sofort aus.
  4. Wie viel Spielraum bleibt auf der Kreditlinie? Eine Linie schafft nur Flexibilität, wenn sie nicht bereits für Außenstände ausgeschöpft ist.
  5. Sind Ihre Forderungen gegen Ausfall abgesichert? Mit steigenden Insolvenzzahlen lohnt sich ein Blick auf Kreditversicherung oder Factoring mit Ausfallschutz.

Fazit: Die Reserve liegt oft schon in den Büchern

Der Kreditmarkt entspannt sich leicht, bleibt für viele Mittelständler aber anspruchsvoll. Gleichzeitig zahlen Kunden so häufig verspätet wie seit Jahren nicht.

Für Unternehmen heißt das: Liquidität entsteht nicht nur durch neue Kredite. Ein großer Teil liegt bereits in den eigenen Forderungen – erwirtschaftet, aber noch nicht auf dem Konto.

Wer weiß, wie viel Kapital dort gebunden ist, und rechtzeitig vergleicht, wie es sich früher verfügbar machen lässt, entscheidet in Ruhe statt unter Zeitdruck.

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Quellen

  1. KfW Research – KfW-ifo-Kredithürde Q3 2026

    Veröffentlicht am 29. Oktober 2026. Anteil restriktiver Kreditverhandlungen und Kreditnachfrage nach Unternehmensgröße und Branche. KfW-ifo-Kredithürde Q3 2026 (PDF)

  2. Deutsche Bundesbank – Bank Lending Survey, Oktober 2026

    Veröffentlicht am 27. Oktober 2026. Kreditrichtlinien, Kreditbedingungen, Ablehnungsquote und Kreditnachfrage im Unternehmenskreditgeschäft im dritten Quartal 2026.

  3. Coface – Zahlungserfahrungsstudie Deutschland 2026

    Veröffentlicht am 1. Oktober 2026. Befragung von 503 Unternehmen zu Zahlungsverzögerungen, Zahlungszielen und Insolvenzerwartung.

  4. Statistisches Bundesamt – Unternehmensinsolvenzen im Juli 2026

    Pressemitteilung vom 9. Oktober 2026.

Redaktionelle Einordnung: LiquidBoost · 3. November 2026. LiquidBoost berät und vermittelt Factoringlösungen; der Forderungsankauf und die Vertragsentscheidung erfolgen durch die jeweilige Factoringgesellschaft.